Was muss ich beachten, wenn ich mein Dach selbst dämmen möchte?

Zwischensparrendämmung selbst machen

Mit einer modernen Dachdämmung können Sie effektiv Energie und damit Kosten sparen. Überlegen Sie, Ihr Dach selbst zu dämmen? Wir haben für Sie in diesem Blogbeitrag zusammengefasst, worauf Sie bei einer Zwischensparrendämmung auf jeden Fall achten sollten und welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Dämm-Materialien mit sich bringen. Zunächst ein paar generelle Hinweise:

Welche verschiedenen Dämm-Arten gibt es?

Dachdämmung ist nicht gleich Dachdämmung. Der Fachmann unterscheidet folgende drei Dämm-Arten:

  • Aufsparrendämmung (Dämmung von Außen auf den Sparren, ist die wirksamste Methode, so gut wie keine Wärmebrücken, möglich bei Sanierung, höhere Dämmwerte möglich)
  • Untersparrendämmung (Wärmedämmung auf Kosten des Wohnraumes)
  • Zwischensparrendämmung (Die Höhe des Sparrens begrenzt die Dämmung. Nachteilig sind die Sparren, da diese einen geringeren Dämmwert haben, Wärmebrücken könnten entstehen)

Während die Aufsparrendämmung häufig bei Neubauten oder Sanierung der Dachfläche vorgenommen wird, ist die Zwischensparrendämmung eine beliebte Lösung für Heimwerker. Der Sparren begrenzt im Zweifelsfall die gewünschte Stärke der Dämmung, als Zusatz hierfür eignet sich die Untersparrendämmung. Diese wird von einigen Herstellern sogar mit einer aufgeklebten Gips, Zement oder Holzplatte geliefert, wodurch man sich einen Arbeitsschritt spart.

Wie sehen die aktuellen Energie-Bestimmungen des Gesetzgebers aus?

Dämmen heißt Energie sparen. Das liegt auch dem Gesetzgeber am Herzen:

Mit der EnEV 2014, die seit 1. Mai 2014 gilt, kommen auf Hausbesitzer neue Herausforderungen zu. Dies betrifft vor allem Mietshäuser. Selbstgenutzte Ein- und Zweifamilienhäuser sind in der Regel von Nachrüstpflichten nicht betroffen, es sei denn Sie haben das Haus neu erworben und sind neuer Eigentümer. Oder aber Sie planen z.B. den Dachboden ihres Eigenheimes auszubauen, was eine Änderung des bestehenden Bauteils von mehr als zehn Prozent bedeutet, dann müssen Sie sich an die neuen Regelungen halten. So oder so ist dies ohnehin empfehlenswert, da eine gute Dämmung auch Energie-Einsparungen bedeutet und damit natürlich auch Kosten.

Bei der Dämmung von Dächern gibt es nun eine Norm für Nachrüstungen. Bislang war die geltende Auslegung der EnEV, dass ein bereits gedämmtes Dach nicht neu gedämmt werden muss, auch wenn es nur über eine schwach gedämmt ist. Nach der EnEV 2014 gilt nun die DIN 4108-2. Demnach soll entweder die oberste Geschossdecke oder das Dach bis Ende 2015 auf einen maximalen U-Wert von 0,24 Watt/(m²K) gedämmt werden. Die Mindestdicke der verwendeten Dämm-Materialien wurde von 12-14 cm auf mindestens 18 cm erhöht. Da die Dämmleistung der Materialien von ihrer Beschaffenheit abhängt und dadurch sehr unterschiedlich ist, gibt es viele Materialien, die jedoch erst bei mehr als 18 cm Dicke die vorgeschriebene Dämmleistung erbringen. Hier sollten Sie sich am besten von einem Fachmann die notwendige Dicke errechnen lassen.

Welche verschiedenen Dämm-Materialien gibt es und was sind Ihre Vor- und Nachteile?

Die Dämm-Materialien werden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt:

1 Mineral-Materialien: Glas- und Steinwolle
Vorteile:

  • günstigstes Dämm-Material
  • einfache Handhabung
  • passt sich wunderbar dem Sparren an
  • kann dicht gestoßen verlegt werden, ohne Fugen
  • nicht brennbar
  • feuchtigkeitsabweisend
  • auch für die Schalldämmung einsetzbar
  • steht nicht auf dem Speiseplan von Ungeziefer

Nachteile:

  • beim Verarbeiten entsteht Feinstaub
  • vor 1993 verbaute Mineral-Wolle gilt als krebserregend und gilt damit auch als Sondermüll
  • Feuchte Matten verlieren an Form

Kosten: es ist das bodenständige Produkt, das Preisleistungsverhältnis ist gut.

2 Kunststoff-Schäume

  • Polyurethan

Vorteile:

  • druckbeständig
  • feuchtigkeitsbeständig
  • höhere Dämm-Leistung bei geringerer Dicke als Polystyrol
  • sehr gut für Auf- und Untersparrendämmung geeignet
  • stabile und tragende Dämmung
  • nimmt kaum Wasser auf

Nachteile:

  • nicht sehr umweltfreundlich
  • können leicht schwinden
  • schwer passend einzubauen, eher für großflächige Verlegung geeignet
  • brennbar
  • Nicht zu Luftschalldämmung geeignet

Kosten: Wenn der Raum begrenzt ist und man trotzdem einen hohen Dämmwert haben möchte, kommt man um diesen etwas teuren Dämmstoff leider nicht herum

  • Polystyrol (Styropor-Platten)

Vorteile:

  • relativ günstig
  • feuchtigkeitsbeständigNachteile:
    • nicht sehr umweltfreundlich (Rohstoff Erdöl)
    • Fugen können sich durch schwinden des Stoffes bilden
    • schwer passend einzubauen, eher für großflächige Verlegung geeignet
    • Von Ungeziefer begehrt, da es einen süßlichen Geruch hat
    • Durch ausdehnen und schwinden können die Platten quietschen
    • leicht entflammbar
    • ein hoher Dämm-Aufbau ist nötig
    • Nicht zu Luftschalldämmung geeignet
    • Keine UV-Beständigkeit

    Kosten: Die Nachteile erklären den günstigen Preis.

    3. nachwachsende Rohstoffe (Holzfasern, Baumwolle, Hanf, Zellulose, Schafswolle)

    Vorteile:

    • umweltfreundlich
    • guten Schallschutz
    • sehr gutes Raumklima

    Nachteile:

    • kostenintensiv
    • geringerer Dämmwert

    Kosten: Trotz des geringeren Dämmwertes sind diese Produkte ihren Preis wert. Holzfasern sind nicht viel Teurer als Glas- bzw. Steinwolle.

    Was bedeuten die verschiedenen Kennziffern und Abkürzungen auf den Materialien?

    • Ü-Zeichen

    Das Ü-Zeichen (Übereinstimmungszeichen) gibt darüber Aufschluss, ob das Dämm-Produkt unter bestimmten Voraussetzungen von unabhängigen und firmeneigenen Qualitätsüberwachungen geprüft wurde.

    • W/ WL

    Der Dämmstoff ist nicht druckbelastbar. Deshalb ist er nur in leichten Trennwänden einsetzbar.

    • WD

    Der Dämmstoff ist druckbelastbar.

    • WV

    Der Dämmstoff weist eine hohe Abreißfestigkeit auf, er ist also besonders haftfähig.

    • T/TK

    Der Dämmstoff verfügt über eine gute Trittschalldämmung.

    • WLG

    Die WLG sagt aus, wie wärmeleitfähig das Material ist. Eine kleine Ziffer bedeutet hier also eine gute Dämmbarkeit.

    Anleitung Zwischensparrendämmung: So dämmen Sie Ihr Haus richtig

    Da Klemmfilz (aus Mineralwolle, Holzfasern oder Hanf) ein häufig verwendeter Dämmstoff ist, haben wir für Sie im Folgenden eine Anleitung für eine Zwischensparrendämmung mit Klemmfilz vorbereitet. Eine Dämmung ist eigentlich nicht schwer, allerdings muss sie, um eine 100 % ige Dichtigkeit zu gewährleisten, sehr sorgfältig vorgenommen werden.

    Vor dem Einkauf:
    Um die Menge an benötigtem Dämm-Material zu berechnen, messen Sie den Abstand zwischen den einzelnen Sparren, ihre Höhe und ihre Tiefe. Falls die Sparren so tief sind, dass Ihr Dämmstoff in der Dicke nicht ausreicht, muss der Unterschied eventuell durch eine Untersparrendämmung ausgeglichen werden.

    Folgende Werkzeuge und Materialien benötigen Sie:

    Werkzeuge:

    • Dämmstoffmesser/ Teppichmesser
    • Hammer und Breitkopfnägel oder Elektrotacker
    • Schraubendreher
    • Akkuschrauber
    • Schneideunterlage

    Materialien

    • Zwischensparren-Klemmfilz
    • Dampfbremsfolie/ Dampfsperrfolie (Diese Folie steuert den Austausch von Wasserdampf zwischen Innen und Außen, daher ist es ganz wichtig, das diese einen für das Dachsystem ausreichenden Sperrwert hat, fragen Sie dazu am besten Ihren Fachmann)
    • Klebeband für Folienüberlappungen (passend zur Dampfsperre)
    • Spezielles Dichtband für Ausdehnungen
    • Dichtkleber
    • Tackerdicht
    • Holzlatten
    • Gipsfaserplatten (alternativ gehen auch Zementplatten oder Holzplatten)

    TIPP: Die Dampfsperre und die passenden Klebebändern sollten von einem Hersteller aus einem System gekauft werden!

    1. Schneiden Sie den Klemmfilz auf einer ebenen Fläche mit einem Dämmstoffmesser auf die gewünschte Größe zu. Achten Sie dabei darauf, dass das Stück Klemmfilz etwa 2 cm größer ist, als der tatsächliche Sparrenabstand, den Sie zuvor gemessen haben, damit er nachher fest eingeklemmt werden kann.

    Den zurecht geschnittenen Klemmfilz können Sie nun mit der Markierung zur Wandseite zwischen die Sparren klemmen und dicht gestoßen verlegen. Auch in die kleinsten Ecken Material drücke, hierfür eignen sich gut Reste oder Abschnitte die nicht mehr gebraucht werden.

    3. Nun bringen Sie das Dichtband (auch Tackerdicht- oder Schalldämmband genannt) auf den Sparren an. Da Sie im nächsten Schritt die Dampfbremsfolie befestigen, wird so einem eventuellen Reißen der Folie entgegen gewirkt. Oder kleben Sie im Nachgang die Befestigungspunkte ab.

    4. Mit einem Tacker, oder auch einer Bohrmaschine mit Schraubaufsatz, kann nun die Dampfbremsfolie auf dem Dichtband befestigt werden. Achten Sie darauf, dass die Folie an den Wandenden circa 20 cm, bei Überlappungen ca. 10 cm übersteht. Diese überlappenden Stellen müssen Sie nun mit einem Dichtband abkleben. Diese Dichtung muss sorgfältig vorgenommen werden, da das Dichtband verhindert das Luft in den Bereich eindringt und so Feuchteschäden verursacht. Mit der Dampfsperre und den Klebebändern muss alles luftdicht angeschloßen werden, sonst können später teuere Schäden und Schimmelprobleme entstehen.

    5. Falls die Dämmkonstruktion von vertikalen Balken, Streben oder Rohren unterbrochen wird, müssen diese Stellen mit einem speziellen Dichtband verklebt werden, das sich einer eventuellen Dehnung der Materialien anpasst. An den Wandrändern tragen Sie nun den flüssigen Dichtkleber ca. 1 cm dick auf. Die überstehende Folie, die Sie vorher befestigt haben, können Sie nun dort festkleben. Reste können abgeschnitten werden. Wichtig ist, das alles was durch das Dach geht auch an die Dampfsperre angeschlossen wird, dazu gehören z.B. Dunstrohr, Fenster, Antennen oder Kabel.

    6. Wenn Sie Ihre Dämmkonstruktion verkleiden möchten, können dazu gewöhnliche Holzlatten als Unterkonstruktion horizontal (senkrecht zu den Sparren) anbringen. Die Latten sollen am besten mit Schrauben auf die Sparren befestigt werden, da wir so einen höheren Anpressdruck auf die Dampfsperre erzeugen und so verhindern wir das ein offenes Loch in der Dampfsperre entsteht.

    Zum Abschluss können Sie Ihre frisch gedämmte Wand z.B. mit Gipsfaserplatten verkleiden. Schrauben Sie die Platten dazu einfach auf der Unterkonstruktion auf.
    Tipp: Wenn man nicht viele bzw. keine Durchdringungen hat, kann man auch anstatt der Dampfsperre und Gipsfaserplatten eine OSB Platte verwenden. Diese kann als Dampfsperre und Decke dienen. Es müssen aber wieder alle Stöße, Fugen, Risse und Durchdringungen wie Rohre oder Steckdosen abgeklebt werden.

    Fazit

    Wie Sie sehen, ist das Prinzip einer Zwischensparrendämmung durchaus für gute Heimwerker machbar. Geübte Heimwerker können durch eine eigenständige Dachdämmung deutlich Kosten und Energie sparen.

    Beachten Sie jedoch, dass bei unsachgemäßer Ausführung Wärmebrücken und Feuchtigkeitsprobleme/ Schimmel entstehen können. Bei schwierigen, verwinkelten Konstruktionen sollten Sie deshalb einen Dachdecker zu Rate ziehen, um sicher zu gehen, dass Sie effektiv und fehlerfrei dämmen.

    Unser Tipp: Wenn Sie sparen möchten aber gleichzeitig unsicher sind, ob Sie die Dämmung fehlerfrei umsetzen können, fragen Sie Ihren Dachdecker, ob Sie vielleicht einen Teil der Leistungen in Eigenarbeit machen können wie z.B. das anschließende Verkleiden mit Gipsfaserplatten. So können kritische, fehleranfällige Bereiche wie die Dämmung und die Wahl der richtigen Dampfbremse (variiert je nach Dachdeckung) vom Fachmann übernommen werden und einfachere Tätigkeiten von Ihnen selbst.

    Haben Sie auch schon einmal ein Dach selber gedämmt? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

     

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